Jugendliche interessieren sich nicht für Politik – sagt man. Jugendliche haben gar keine eigene Meinung zu politischen Themen – sagt man. Jugendliche haben keine Lust sich ausführlich über ein Thema zu informieren – sagt man. Tja, Fridays for Future zeigt jetzt der Welt, dass Jugendliche das sehr wohl können und auch wollen. – Elisabeth Wittmann (KjG) kommentiert:

Fridays for Future (FFF) ist so Vieles auf einmal. Zuallererst natürlich ein unmissverständlicher Aufruf zu mehr Klimagerechtigkeit und Klimaschutz. Aber es ist auch ein Aufzeigen der eigenen Grenzen, die Jugendlichen erklären öffentlich, wie wenig Einfluss sie auf die Politik haben. Sie kämpfen damit auch für mehr Beteiligungsmöglichkeiten und mehr Generationengerechtigkeit. Ganz nebenbei räumen sie auch jede Menge Vorurteile über ihren Willen zur politischen Beteiligung aus und bringen die politische Diskussion in die Öffentlichkeit, an den Mittagstisch oder in die Schule.

Fridays for Future und KjG haben gemeinsame Ziele.

Damit spricht FFF viele Ziele an, die auch wir als Jugendverbände unterstützen und für die wir uns einsetzen. Klimaschutz, Generationengerechtigkeit und damit auch Wahlalterabsenkungen stehen auch im BDKJ sehr weit oben auf der Agenda. Damit kämpfen wir in vielen Punkten für dieselben Ziele.

Die Katholische junge Gemeinde (KjG) hat daher einmal bei Vertreter*innen von FFF nachgefragt, wie denn eine Zusammenarbeit oder Unterstützung aussehen könnte. Laura und Roman von FFF waren zu Besuch auf einem KjG-Landesausschuss und haben dort mit uns diskutiert und alle unsere Fragen beantwortet. Wir haben auch gemeinsam überlegt, wie Jugendverbände die Bewegung und ihre Ziele unterstützen können. Herausgekommen sind viele kleine Bausteine und Möglichkeiten. Zuerst ist da natürlich unser Netzwerk, unser Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen im Verband. Dieses Netzwerk können wir nutzen, um die Termine der Demos zu verbreiten und noch mehr Menschen damit zu erreichen. Allerdings müssen wir hier als Jugendverband etwas mit der Formulierung aufpassen, um Kinder und Jugendliche nicht öffentlich zum Schule schwänzen aufzufordern. Außerdem werden vor Ort ein paar Materialien, wie die Möglichkeit zu drucken, Soundanlagen oder Ähnliches benötigt. Hier können besonders Orts- und Diözesanverbände gut einsteigen und Hilfe anbieten.

Kontakt mit FFF aufzunehmen ist ganz einfach. Sobald man in einer der WhatsApp-Gruppen ist, wird man problemlos zur*m richtigen Ansprechpartner*in weitergeleitet. Auch über Kontaktherstellung zu diversen Politiker*innen ist FFF immer dankbar, genauso wie für jede (positive) Öffentlichkeitsarbeit. Jetzt ist es an uns Jugendverbänden, wie sehr wir uns aktiv bei FFF einbringen.

Aber es gibt große Unterschiede in der Organisation.

Fridays for Future hat eine breite Öffentlichkeit erreicht und Tausende junger Menschen für ein wichtiges Anliegen mobilisiert. FFF hat das alles mit viel Herzblut und Engagement erreicht, aber ohne viele altbekannte Strukturen und auch ohne wirklich Geld zu haben. Die Verbände des BDKJ können FFF aktiv helfen und unterstützen, aber wir können und sollten auch von ihnen lernen. Wir sehen dort, wie quasi aus dem Nichts eine große aktive Gemeinschaft entsteht, die viele Jugendliche erreicht und auch politisch einen starken Eindruck hinterlässt.

“Fridays for Future”-Demonstration in München. (c) by KjG LAG Bayern

Natürlich können und wollen wir nicht die Organisationsform übernehmen, allein die WhatsApp Gruppen könnten wir aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht unterhalten. Aber es ist eine gute Gelegenheit zu überprüfen, ob wir als Jugendverbände nicht etwas gefangen in unseren Strukturen sind.

Roman (FFF) war beispielsweise überrascht, als er hörte, dass unsere wichtigsten Anträge in der Regel einmal jährlich, auf der KjG-Landesversammlung, beschlossen werden, und meinte, dass wir so nicht schnell reagieren könnten. Auf der anderen Seite bieten uns unsere Strukturen Sicherheit, helfen uns in unserer Pfarreiarbeit vor Ort und bieten einen konstanten Draht zur Politik.

Fridays for Future und wir Jugendverbände des BDKJ können gemeinsam noch mehr erreichen: Wir kämpfen für dieselben Ziele (Klimagerechtigkeit und Partizipation von Jugendlichen) und können beide noch viel voneinander lernen. Diese Chance sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen.



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