Die KjG Würzburg beteiligt sich seit 2012 jährlich an der Aktion “Nikolaus statt Santa Claus” der KjG LAG Bayern. Lisa Kriesinger erzählt von den Erfahrungen, die sie und ihre Gruppe in den letzten Jahren gemacht haben, wenn sie in der Innenstadt Nikoläuse aus Schokolade verteilen.

 

(c) KjG Würzburg

Endlich ist es wieder soweit, der 6. Dezember steht vor der Tür. Der Tag des heiligen Nikolaus und somit auch unsere Nikolausaktion. Die Planungen sind abgeschlossen, die Säcke mit den 250 fair gehandelten Nikoläusen der KjG Landesebene Bayern stehen bereit, unser Bischof Nikolaus ist angezogen und wir Helfer sind warm eingepackt. Es kann also losgehen. Freunde haben im Vorfeld gefragt „Ja, und was macht ihr da dann eigentlich?“ Der zuständige Herr der Stadt fragte am Telefon „Sie wollen ja sicher niemanden missionieren?“ – Mein erster Impuls ist „Wir wollen einfach nur etwas verschenken und Menschen damit glücklich machen.“

Bischof Nikolaus als Vorbild

Denn das ist ganz im Sinne des heiligen Bischof Nikolaus, an den wir mit unserer Aktion erinnern wollen. Auch er verteilte zu seinen Lebzeiten Geschenke an arme und bedürftige Menschen und den Legenden nach verteilte er auch nach seinem Tode Nüsse und Äpfel an Kinder. Dieses soll uns ein Vorbild sein für unser eigenes Handeln. Und seien wir mal ehrlich, wer bekommt nicht gerne etwas geschenkt?

So kommt es, dass während unserer Aktion schnell auch ältere Jugendliche und junge Erwachsene auf uns aufmerksam werden. Oft sind es zuerst scheue Blicke. Eine Gruppe junger Mädchen und Jungen steht dort zusammen, kichernd. Nie im Leben würden sie von sich aus auf uns zu kommen. Viel zu uncool. Aber die Neugier ist da. Ich gehe auf sie zu. „Darf ich euch einen Nikolaus schenken?“ Zunächst etwas skeptisch, nehmen sie die Nikoläuse an. Und dann sieht man es plötzlich, das Funkeln in den Augen, die Freude über das Geschenk und die Geste. Ich frage sie, ob sie denn wissen, was für ein Tag heute ist. Immer wieder überrascht es mich, wie viele den Nikolaus doch noch kennen. Wir unterhalten uns über den Unterschied zum Weihnachtsmann. Es entsteht ein schönes Gespräch über die Tradition des Nikolaus, über das was wir hier machen. Ich berichte Ihnen, wie viel Freude es macht jemanden etwas zu schenken, so ganz ohne Hintergedanken, ohne den Anspruch auch von der anderen Person ein Geschenk oder eine Gegenleistung zu bekommen. Ich gebe ihnen den Tipp, den Nikolaus vielleicht nicht alleine zu essen, sondern ihn mit einer Person, die ihnen wichtig ist, zu teilen und somit das Geschenk auch nochmal weiter zu geben.

KjG über Generationen hinweg

Einige Zeit später kommt eine etwas ältere Frau mit einem Kinderwagen auf uns zu. Sie erzählt, dass sie heute extra in die Stadt gekommen ist, als sie gelesen hatte, dass wir wieder mit der Nikolausaktion unterwegs sind und brachte deswegen gleich ihren Enkel mit. Sie berichtet uns, dass sie selbst in ihrer Jugend KjG Mitglied war und damals ihre Ortsgruppe mitgegründet hat. Auch sie strahlt, als sie uns davon berichtet, wie wertvoll sie die Jugendarbeit einschätzt. Sie bedankt sich bei uns für das, was wir tun und wünscht uns, dass wir noch ganz lange Werte und Freude an Kinder- und Jugendliche weitergeben.

Die Anerkennung und das Lob tut gut. Es ist schön zu sehen, dass der Verband auch nach so langer Zeit noch verbindet und im Herzen spürbar bleibt.

Nikolaus mit Kind und KjG DL

(c) KjG Würzburg

Eine Gruppe junger Frauen mit Kopftüchern und mehreren Kindern läuft an uns vorbei. Unser Bischof Nikolaus spricht sie an. „Darf ich Ihnen einen Nikolaus schenken?“ Die Augen der Kinder leuchten. Schnell entsteht ein Gespräch, dass der heilige Bischof Nikolaus ursprünglich ja aus der Türkei kommt. Sie berichten, wo in etwa das damalige Myra in der heutigen Türkei liegt und was sie schon über die Tradition des Nikolaus kennen. Sie sind dankbar für das Geschenk.

Es wird langsam dunkel und kalt. Gegen Feierabend merkt man, dass viele Menschen es eiliger haben und durch die Straßen eilen. Wir sprechen sie bewusst an. „Darf ich Dir einen Nikolaus schenken?“ Sie entschleunigen, schauen verdutzt und sind etwas überrascht, dass wir etwas verschenken – so ganz ohne Gegenleistung. Und dann sieht man wieder das Glänzen in den Augen.

Unsere Säcke sind leer. Zum Aufwärmen trinken wir noch gemeinsam einen Punsch auf dem angrenzenden Weihnachtsmarkt. Ich schaue in die Runde und sehe bei den anderen, die heute mit dabei waren ein Funkeln in den Augen, und ich weiß, auch ich habe dieses Funkeln. Denn auch, wenn ich heute geschenkt habe ohne eine Gegenleistung zu erwarten, habe ich so viel bekommen, was ich mir nie hätte wünschen können. Ich bin dankbar dafür, dass ich einen so wichtigen Wert, die Nächstenliebe und Wertschätzung aller Menschen, an diesem Tag durch meine Arbeit in der Jugendarbeit weiter schenken durfte und somit mein eigenes Leben und die Vorweihnachtszeit wertvoller wurde.

Lisa Kriesinger – (c) KjG Würzburg

 

Zur Autorin: Lisa Kriesinger ist ehrenamtliche Diözesanleiterin der KjG Würzburg und arbeitet als Sozialpädagogin im Gesundheitsamt.


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