Jugend verändert die Art zu Glauben und deswegen auch die Kirche, sagt Detlef Pötzl (Dekan des Dekanats Teuschnitz und ehemaliger BDKJ-Diözesanpräses im Erzbistum Bamberg). Jugend ist die Zukunft.

Wenn man einem jungen Menschen im Jahr 1918 die Frage gestellt hätte, wie wohl die Welt in 100 Jahren aussehen würde, dann weiß ich nicht, ob er oder sie darauf gekommen wäre, dass sich Demokratien durchsetzen werden, dass Frankreich und Deutschland gemeinsam für ein friedliches und geeintes Europa stehen, dass acht Milliarden Menschen auf der Erde leben, dass die evangelische und die katholische Kirche aus Anlass des Reformationsgedenkens gemeinsam ein Christusjahr feiern, dass Fußballstars Gagen in Millionenhöhe erhalten, dass man ohne Probleme mit Menschen in der gesamten Welt telefonieren kann und dass man mittels des Internets Informationen in Echtzeit aus allen Kontinenten erhalten kann.

Die letzten 100 Jahre hatten es in sich!

Im Jahr 1918 waren die Menschen geprägt von den Erfahrungen des ersten Weltkrieges. Sie hatten Feindschaft und Hass erlebt, Resignation und bittere Armut. Gleichzeitig war die politische und wirtschaftliche Situation instabil. Die Zukunft konnte eigentlich nur besser werden, wenngleich wir heute wissen, dass eine der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte erst noch bevorstand. Die Welt des Jahres 2018 wäre auf jeden Fall fantastisch erschienen.

Ähnlich wird es uns heute ergehen, wenn wir einen Ausblick in die nächsten 100 Jahre wagen und uns die Frage stellen, wie denn die Menschen im Jahr 2118 leben werden. Die drängenden Fragen unserer Zeit werden uns wohl weiter beschäftigen: zunehmende Individualisierung, wachsende Mobilität, globale Vernetzung, Verteilung der Ressourcen, Ungerechtigkeit zwischen Armen und Reichen, Nationalismus und Rassismus, eine Vielzahl von regionalen Kriegen und Bürgerkriegen sowie Klimawandel und Umweltschutz.

Der technische und wirtschaftliche Fortschritt wird wohl dazu beitragen, einige Probleme zu lösen. Es wird aber wohl neue Probleme geben, die heute noch gar nicht vorstellbar sind. Die Zukunft wird fantastisch sein. Wir brauchen Phantasie und Vorstellungskraft, um den Blick in die Zukunft zu wagen. Für diejenigen, die den Worten der Bibel Vertrauen schenken, bringt die Zukunft – trotz mancher Unglücksprophetie – Gutes. Der Prophet Jeremia, der vor etwa 2.600 Jahren lebte, schreibt einen „Spruch des HERRN“ auf, in dem es heißt:

„Denn ich, ich kenne die Gedanken, die ich für euch denke, Gedanken des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.“ (Jer 29,11)

2000 Jahre Kirche im Vergleich zu 100 Jahre Bayern

Zukunft und Hoffnung ist denen verheißen, die auf Gott setzen. Jesus Christus bekräftigt diese positive Grundhalten und verkündet denen, die ihm folgen, dass das Reich Gottes schon auf Erden beginnen wird: ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit, der Solidarität und des Heils. Aus dieser frohen Botschaft lebt die Kirche seit 2.000 Jahren und ich bin mir sicher, dass dies auch in den kommenden 100 Jahren gelingen wird – jedenfalls solange, bis Jesus Christus wiederkommen wird – wie wir es im Glaubensbekenntnis beten.

Die kirchliche Jugendarbeit vermittelt diese Botschaft an junge Menschen, die ihren Weg suchen. Sie ermutigt zu einem selbstbewussten und authentischen Leben. Sie fragt nach dem Ziel und Sinn des Handelns und motiviert zum kritischen Diskurs mit denen, die Verantwortung in der Kirche und in der Gesellschaft übernehmen. Junge Menschen, die getragen sind, von einer Hoffnung, die Gutes verheißt, werden dazu beitragen, dass Solidarität und Gerechtigkeit, Einsatz für Frieden und für das Leben nicht nur Worte bleiben.

Kirche wird sich verändern. Sicher!

Die Formen, den Glauben zu leben, werden sich verändern, die Kirche wird sich ändern und unsere Gemeinden werden anders aussehen. Unsere Kirche wird Begegnungsräume bieten und den Erfahrungsaustausch fördern müssen. Sie wird auch in Zukunft ein Hoffnungszeichen für die Menschen sein und auf der Suche nach der Wahrheit manchmal auch unangenehme Positionen vertreten müssen. Ich bin mir sicher, dass die Zukunft fantastisch wird. Ich bin überzeugt, dass die Zukunft Gutes bringen wird und ich bin mir sicher, dass die kirchliche Jugendarbeit dazu einen wesentlichen, wahrscheinlich sogar entscheidenden, Beitrag leisten wird.

 

Der Autor ist Detlef Pötzl. Er ist 2001 zum Priester geweiht worden, war von 2005 bis 2017 Diözesanjugendpfarrer und BDKJ-Diözesanpräses im Erzbistum Bamberg. Heute ist er Jugendseelsorger im Jugendbildungshaus Am Knock und Dekan des Dekanats Teuschnitz.