Freiwillig ehelos leben. Das habe ich meiner Gemeinschaft der Pallottiner versprochen – vor 12 Jahren zum ersten Mal und vor 9 Jahren auf Lebenszeit. Für mich war damals klar, dass ich diesen Weg nur in einer Gemeinschaft gehen könne, die mich trägt und hält durch ein Beziehungsgeflecht aus Gleichgesinnten.

Damals sah ich vieles idealistisch und ich glaube auch selbstkritisch sagen zu können, selbst mit 32 Jahren wusste ich damals nicht, was ich da verspreche. Ehelosigkeit heißt zwar nicht Beziehungslosigkeit, aber ich erlebe es als herausfordernd und schwierig in dieser Lebensform lebensfördernde Beziehungen auf Augenhöhe zu haben.

Ein Gegenüber ist notwendig!

Ich glaube immer mehr, dass wir Menschen innerlich vereinsamen, wenn uns ein Gegenüber fehlt – das uns annimmt wie wir sind, das uns liebt wie wir sind und uns auf Augenhöhe begegnet – ja letztlich ehrlich mit uns in Beziehung geht und wir mit dem Gegenüber. Ich glaube, dass uns Menschen ein entscheidender Teil zur Fülle im Leben fehlt, wenn wir diesen Menschen an unserer Seite, der uns liebt und den wir lieben, nicht haben. Das Ergebnis ist, dass wir uns aus dieser Leere oft in Arbeit stürzen oder uns andere Ersatzbefriedigungen suchen.

Ich sehe diese Ehelosigkeit nicht mehr als Ideal sondern als Mangel, als Defizit und ich sehe immer mehr, dass wir Menschen ergänzungsbedürftig sind. Das können wir nicht aus uns selbst heraus. Manchen gelingt dies in einer lebendig und auch tief gestalteten Gottesbeziehung, solche Mitbrüder strahlen etwas aus. Andere leben in einem gesunden Netzwerk aus Beziehungen und pflegen diese auch, weil sie sich getragen fühlen von diesen Menschen.

Zölibat wichtiger als Eucharistie?

Letztlich bleibt aber immer – so glaube ich – eine Lücke im Leben, ja ich möchte sagen eine Wunde. Und ich glaube, dass unter dieser Wunde viele im kirchlichen System leiden, auch wenn wir uns freiwillig dieser Lebensform unterworfen haben.

Diözesanpriester legen das Zölibatsversprechen ab – auch eine Form von Ehelosigkeit. Man spricht vom Pflichtzölibat. Das heißt wer Priester werden will, muss den Zölibat versprechen und dieses Versprechen halten. Leider ist daran die Feier des Herrenmahles gekoppelt – der Eucharistie. Und leider wird immer noch viel zu sehr daran festgehalten, dass nur zölibatär lebende Priester der Eucharistiefier vorstehen dürfen. Und ich habe oftmals den Eindruck, dass führenden Kirchenmännern der Zölibat wichtiger ist, als die Feier der Eucharistie. Mit Macht und Angst wird daran festgehalten. Wenn die zölibatäre Lebensform aber das entscheidende ist, dann sollten in der Konsequenz auch zölibatär lebende Frauen zu Priesterinnen geweiht werden können.

Die zölibatäre Lebensform scheint mir aber weder von Jesus eingesetzt noch vorgeschrieben. Ganz im Gegenteil, die Jünger Jesu waren zum Teil verheiratete Männer. Der Zölibat ist eine historische Entwicklung. Die aus meiner Sicht jederzeit wieder rückgängig gemacht werden könnte – zum Wohl der Kirche und vieler darunter Leidenden.

Ich wünsche mir, dass in Zukunft, – nicht nur auf dem synodalen Weg – den die Bischöfe gehen wollen, mutige Männer und Frauen vorangehen und aus einer geistbewegten Haltung Wege suchen und finden, dass es Männern und Frauen möglich ist, als Priester und Priesterin in unserer Kirche zu leben, ohne ein Versprechen ablegen zu müssen, dass sie ehelos oder zölibatär leben.

Zum Autor des Gastbeitrags:

Pater Christoph Lentz SAC ist Ausbildungsleiter der Ordensgemeinschaft der Pallottiner und war BDKJ-Präses des BDKJ-Diözesanverbandes Augsburg.



Titelbild : Ian Schneider / cc0 – gemeinfrei / Quelle: unsplash.com


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